Wie LibreOffice finanziert wird

Übersetzung: englisches Original von Italo Vignoli

LibreOffice 26.8 ist die erste Version, die im Launch Center ein Spendenbanner anzeigt. Dieses Dokument erläutert die Gründe für diese Entscheidung und informiert über das Nachhaltigkeitsmodell der The Document Foundation (TDF).

Alle Zahlen stammen aus den Jahresabschlüssen der The Document Foundation (also der Stiftung hinter LibreOffice) mit Sitz in Berlin und wurden seit der Eintragung der Stiftung für jedes Jahr ihres Bestehens auf der Website veröffentlicht.

TDF-Umsatz im Jahr 2025

Der Gesamtumsatz belief sich auf rund 2,2 Millionen Euro.

Davon stammen mehr als 90 Prozent aus Spenden; der Rest resultiert fast ausschließlich aus dem Vertrieb von LibreOffice über die Online-Shops von Microsoft und Apple, wobei der Preis so angesetzt ist, dass er die Kosten für die Pflege der Anwendungen auf diesen Plattformen deckt.

Es ist erwähnenswert, dass dieselben Versionen, die in den Online-Shops von Microsoft und Apple erhältlich sind, auch frei – und damit kostenlos – von der LibreOffice-Website heruntergeladen werden können.

Mehr als 90 Prozent der Spenden stammen von Privatpersonen, weniger als 10 Prozent von öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen. Obwohl die Suite also von Unternehmen und öffentlichen Stellen weit verbreitet genutzt wird, wird sie fast vollständig von Privatpersonen finanziert, die je nach ihren finanziellen Möglichkeiten kleine Beträge beisteuern.

Wieviel hat TDF im Jahr 2025 ausgegeben

Die Gesamtausgaben beliefen sich auf rund 1,5 Millionen Euro.

75 Prozent dieser Ausgaben entfielen auf Personalgehälter und Sozialversicherungsbeiträge sowie auf Beratungsverträge. Heute beschäftigt die Stiftung 18 Mitarbeiter, von denen 11 an der Softwareentwicklung oder damit verbundenen Aufgaben – wie etwa der Qualitätssicherung – beteiligt waren.

Dieser Anteil ist besonders hervorzuheben: Drei Viertel der Ausgaben der TDF fließen in das Personal, wobei der größte Teil auf Entwicklungsarbeit, den Aufbau der Community sowie Bildungsarbeit zu den Themen Softwarefreiheit, offene Standards und digitale Souveränität entfällt.

Spenden werden für konstruktive Aktivitäten eingesetzt und nicht für Verwaltungskosten aufgewendet.

In der Vergangenheit wurde ein erheblicher Teil der Entwicklungsarbeit an Unternehmen vergeben, die im Rahmen einer Ausschreibung das beste Angebot eingereicht hatten. Diese Strategie wurde jedoch geändert: Man entschied sich dafür, Entwicklungskompetenz intern aufzubauen, um die Weiterentwicklung der Software gezielt zu steuern und Wissen mit der Community zu teilen.

Der Überschuss im Jahr 2025

Der Überschuss bleibt nicht ungenutzt, sondern wird in das bereits laufende Wachstum reinvestiert: Im Jahr 2026 wurden drei Entwickler eingestellt, zwei weitere folgen in Kürze. Zudem werden aus derselben Quelle verschiedene Projekte für Marketing und Community-Entwicklung finanziert.

Die Ausgaben der Stiftung folgen keinem starren Muster im Verhältnis zu den Einnahmen. Da der Einstellungsprozess Monate in Anspruch nimmt, entstehen Überschüsse, wenn Einnahmen bereits vor der Einstellung neuen Personals eingehen; diese Mittel sind für geplante Aufgaben vorgesehen und stellen kein bloßes „nicht ausgegebenes Geld“ dar.

Die TDF bildet zudem Rücklagen mit dem Ziel, die Betriebskosten für mindestens ein Jahr zu decken. Dieser Betrag steigt naturgemäß von Jahr zu Jahr an.

Für eine Organisation, die sich auf eine einzige Haupteinnahmequelle stützt, stellt dies ein Mindestziel dar. Schließlich hat eine Stiftung, die 18 Mitarbeiter beschäftigt und eine Community von Tausenden von Menschen unterstützt, Verpflichtungen gegenüber diesen Gruppen, die nicht einfach ausgesetzt werden können, sollten die Spendeneinnahmen zurückgehen.

Warum dieses Banner und warum jetzt?

Die TDF steht finanziell auf einem soliden Fundament. Im Vergleich zu ähnlichen Projekten ist sie jedoch deutlich unterfinanziert.

Thunderbird, ein fast ausschließlich durch Spenden finanzierter Open-Source-E-Mail-Client, erhielt im Jahr 2024 Zuwendungen in Höhe von 10,3 Millionen US-Dollar – 19 Prozent mehr als im Vorjahr – von über 335.000 Einzelspendern. Die Wikimedia Foundation agiert in noch weitaus größerem Maßstab.

LibreOffice verfügt über eine Nutzerbasis, die mit der von Thunderbird vergleichbar oder sogar größer ist, sowie über einen umfangreicheren Quellcode, der sechs Anwendungen, Dutzende von Dateiformaten und 120 Sprachen umfasst; dabei generiert das Projekt Einnahmen, die nur etwa ein Fünftel derer von Thunderbird ausmachen.

Diese Diskrepanz ist von Bedeutung, da sich der Markt gewandelt hat. Die meisten Nutzer vergleichen LibreOffice mit Microsoft 365. Dies weckt Erwartungen hinsichtlich der Verfügbarkeit im Web, in der Cloud und auf Mobilgeräten – Erwartungen, die mit einer primär auf Desktop-Anwendungen ausgerichteten Entwicklung nicht erfüllt werden können.

Die TDF hat eine Roadmap für die Entwicklung von Web-, Cloud- und Mobilanwendungen veröffentlicht. Um diese innerhalb eines Zeitrahmens umzusetzen, der mit der Marktentwicklung Schritt hält, sind größere Entwicklungskapazitäten erforderlich, als durch die derzeitigen Einnahmen finanziert werden können.

Das Banner soll helfen, diese Lücke zumindest teilweise zu schließen. Es erscheint im Startcenter – jenem Bildschirm, der beim Programmstart von LibreOffice ohne geöffnete Dokumente angezeigt wird – und wird in regelmäßigen Abständen eingeblendet, etwa monatlich oder nach einem Update. Das Banner verlinkt auf die Spendenseite und erscheint an keiner anderen Stelle der Software.

Was das Banner nicht ist

LibreOffice enthält keine Werbung, erfasst keine Telemetriedaten und erfordert weder ein Benutzerkonto noch ein Abonnement oder eine Aktivierung. Es gibt keine Funktionen, die zahlenden Nutzern vorbehalten sind. Die Suite überträgt keine Dokumente an externe Dienste und benötigt für ihren Betrieb keinen Netzwerkzugriff. LibreOffice 26.8 enthält keine Funktionen auf Basis generativer künstlicher Intelligenz.

Die Aufrechterhaltung all dieser Eigenschaften ist mit Kosten verbunden, da es sich jeweils um eine Einnahmequelle handelt, auf deren Nutzung die Stiftung bewusst verzichtet hat.

Werbefinanzierte Software finanziert sich durch Aufmerksamkeit, abonnementbasierte Software durch die Möglichkeit, den Zugang zu entziehen, und datengetriebene Software durch Überwachung. Die TDF hat all diese Optionen ausgeschlossen, sodass als Finanzierungsmöglichkeit nur Spenden bleiben.

Das Problem mit Unternehmen

Das Ungleichgewicht zwischen Spenden von Privatpersonen und Unternehmen ist ein spezifisches Problem, das die Stiftung beheben möchte.

Unternehmen und öffentliche Einrichtungen setzen LibreOffice in großem Umfang ein – teils auf Zehntausenden von Rechnern – und ziehen daraus einen direkten wirtschaftlichen Nutzen. Gemäß den Bestimmungen der Mozilla Public License v2 sind sie dazu berechtigt, und niemand beabsichtigt, dieses Recht einzuschränken.

Leider leisten nur sehr wenige dieser Organisationen einen finanziellen Beitrag zum Projekt. Dies führt dazu, dass Privatpersonen faktisch die Infrastrukturkosten von Organisationen subventionieren, die über weitaus größere Ressourcen verfügen als sie selbst.

Organisationen, die auf LibreOffice setzen, haben mindestens drei Möglichkeiten, das Projekt zu unterstützen: Sie können eine Spende an die The Document Foundation tätigen, eine Unternehmensversion bei einem Anbieter aus dem LibreOffice-Ökosystem erwerben – der Service-Level-Agreements (SLAs), professionellen Support sowie Sicherheitsupdates für einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren bereitstellt – oder ein Unternehmen beziehungsweise eine Einzelperson mit der Entwicklung spezifischer, auf ihre Bedürfnisse zugeschnittener Funktionen beauftragen.

All diese Maßnahmen unterstützen die Software, doch keine davon wird in einem Umfang genutzt, der auch nur annähernd dem entspricht, was angesichts der weiten Verbreitung des Produkts zu erwarten wäre.

Tatsächlich näherte sich die durchschnittliche monatliche Zahl der LibreOffice-Downloads im Jahr 2026 der Marke von einer Million, und die Website, von der die Updates bezogen werden, verzeichnete fast 600 Millionen Zugriffe. Auf der Grundlage dieser beiden Zahlen liegt selbst bei sehr konservativer Schätzung die weltweite Nutzerzahl von LibreOffice bei über 100 Millionen.

Klicken Sie hier, um zu spenden und das LibreOffice-Projekt sowie die Community zu unterstützen.

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