Umstellung kleiner Unternehmen auf LibreOffice und Linux

Übersetzung: englisches Original von Mike Saunders

Auf diesem Blog berichten wir häufig über groß angelegte Migrationen zu LibreOffice, wie etwa beim österreichischen Bundesheer. Doch auch viele kleine Unternehmen kehren Microsoft, Google und anderen Tech-Giganten den Rücken. Heute sprechen wir mit Mišo Oroz von Zerolock – einem in Italien ansässigen Unternehmen, das kleine Betriebe bei der Umstellung auf freie Open-Source-Software (FOSS) unterstützt:

Erzählen Sie uns ein wenig darüber, was Sie machen

Zerolock ist ein IT-Unternehmen, das ich Anfang 2026 gegründet habe; es hat seinen Sitz in Spirano bei Bergamo in der Lombardei. Der Fokus ist klar: Wir unterstützen kleine Unternehmen mit 2 bis 20 Büroarbeitsplätzen bei der Umstellung von proprietären Systemen auf eine vollständige Open-Source-Infrastruktur. Zum Einsatz kommen Linux-Arbeitsplätze mit KDE Plasma als Desktop-Umgebung, LibreOffice als Office-Suite sowie ein umfassendes Spektrum an Open-Source-Tools für Zusammenarbeit, Kommunikation und Sicherheit.

Alles wird selbst gehostet – sämtliche Daten liegen auf europäischen Servern. Es gibt kein Microsoft und keine Abhängigkeit von einem bestimmten Anbieter, Vendor Lock-in.

Welche Arten von Unternehmen unterstützen Sie bei der Umstellung auf Linux und LibreOffice, und warum möchten diese wechseln?

Es handelt sich meist um nicht-technisch geprägte Umfelder: ein Logistikunternehmen, eine Baufirma, eine Zahnarztpraxis, eine Anwaltskanzlei. Ideologie ist dabei nur selten der Auslöser.

Meist ist es eine Kombination aus steigenden Softwarekosten, schlechten Erfahrungen mit einem Anbieter oder schlicht der Frage: „Warum zahlen wir eigentlich jedes Jahr dafür?“ Sobald das Gespräch erst einmal in Gang gekommen ist, kommen die Argumente rund um Souveränität und Datenschutz ganz von selbst auf den Tisch. Doch die erste Frage dreht sich immer ums Geld.

Was ist bei den Migrationen gut gelaufen, und was waren einige der eher herausfordernden Aspekte?

Der Umstieg auf dem Desktop funktioniert gut. Mit KDE Plasma und LibreOffice finden sich die meisten Nutzer schneller zurecht, als sie selbst erwartet hätten. Die Dateien sehen genauso aus, die Menüs sind vertraut, und nach wenigen Tagen sind die anfänglichen Hürden überwunden. Schwieriger ist hingegen der Wandel in der Denkweise: Viele Menschen sind darauf konditioniert, Windows und Microsoft Office mit „dem Computer“ schlechthin gleichzusetzen.
Ihnen zu vermitteln, dass die Alternative keinen Kompromiss, sondern eine echte Wahlmöglichkeit darstellt, erfordert Zeit und Vertrauen. Genau darin liegt die eigentliche Arbeit.

Eine konkrete, immer wiederkehrende Herausforderung sind Formeln in Tabellenkalkulationen. Nutzer, die von Excel kommen, stoßen in Calc häufig auf Schwierigkeiten – nicht etwa, weil Funktionen fehlen würden, sondern weil sich Syntax oder Verhalten auf eine Weise unterscheiden, die zwar subtil ist, aber dennoch für Verwirrung sorgt. Genau hier investiere ich in der Regel den Großteil der Zeit für Schulungen.

Welche Tipps würden Sie anderen kleinen Unternehmen geben, die einen Wechsel anstreben?

Beginnen Sie mit einer Person, die neugierig und nicht abweisend eingestellt ist. Lassen Sie diese Person als internen Ansprechpunkt fungieren. Versuchen Sie nicht, zuerst die Skeptiker zu überzeugen.

Führen Sie die Migration an einem Freitag oder über das Wochenende durch und seien Sie am darauffolgenden Montag vor Ort. Die ersten beiden Tage entscheiden über Erfolg oder Misserfolg einer Migration. Wenn am Montag um 09:00 Uhr jemand feststeckt und niemanden um Hilfe fragen kann, verliert das gesamte Projekt an Glaubwürdigkeit.

Und dokumentieren Sie vom ersten Tag an alles.

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