Übersetzung (Nachtrag vom 11.06.2026): englisches Original von Italo Vignoli
Ein begrüßenswertes Bekenntnis zu offenen Standards – und warum es bei ODF als nativem Dokumentenformat von Euro-Office münden sollte.

Die Vorankündigung des Euro-Büros hat in den letzten Tagen in der europäischen Presse für großes Aufsehen gesorgt. Die The Document Foundation begrüßt die Aufmerksamkeit, die offene Standards erhalten – und begrüßt noch mehr das Engagement, das ihnen mit der Ankündigung entgegengebracht wird. Bevor die Diskussion endet, möchten wir einen Punkt klarstellen und eine Erwartung formulieren.
In mehreren Berichten wurde Euro-Office als „die erste europäische Open-Source-Office-Suite“ beschrieben. Wenn wir die Vorankündigung sorgfältig lesen, stellen wir fest, dass die Koalition diese Behauptung nicht aufstellt, und wir würden sie auch nicht unterstützen. Europa entwickelt seit vielen Jahren kostenlose und Open-Source-Bürosoftware: LibreOffice, entwickelt von dieser Stiftung und einer weltweiten Community, ist selbst europäisch, ausgereift und bei weitem nicht allein.
Die Darstellung als „Erste“ scheint eher im Eifer des Starttages entstanden zu sein als im eigentlichen Ankündigungstext. Wir weisen darauf hin – nicht um einen Vorrang zu beanspruchen, denn darum geht es nicht –, sondern weil Genauigkeit der Sache offener Standards besser dient als bloße Begeisterung.
Betrachtet man die Ankündigung für sich, so gibt es vieles, das zu begrüßen ist. Das Versprechen, die Unterstützung für das OpenDocument-Format zu verbessern, ist genau das, was die europäische Gemeinschaft für freie Software seit Langem fordert; wir nehmen es als ernst gemeint und aufrichtig geschätzt entgegen. Wir waren schon immer der Ansicht, dass Souveränität beim Format beginnt und nicht beim Logo der Anwendung – und eine Koalition, die dies versteht, verdient unsere Unterstützung.
Wir möchten zudem eine Erwartung formulieren – eher als Ermutigung denn als Forderung. Eine verbesserte Unterstützung ist ein Anfang, kein Endziel. Ein Format, das lediglich unterstützt wird, ist eines, das eine Office-Suite zwar lesen und schreiben kann, jedoch eher als Zugeständnis; ein natives Format hingegen ist jenes, in dem Dokumente erstellt und gespeichert werden und auf dessen Beständigkeit man sich über Jahre hinweg verlässt – und genau hier entscheidet sich, ob digitale Souveränität gewahrt oder eingebüßt wird.
Das einzige Ziel, das mit der von Euro-Office beanspruchten Souveränität im Einklang steht, ist ODF als natives Dokumentenformat. Eine wahrhaft europäische, wahrhaft souveräne Office-Suite darf den offenen Standard nicht als Zugeständnis an Außenstehende betrachten; sie muss ODF als ihre Muttersprache beherrschen. Die The Document Foundation sieht diesem Moment erwartungsvoll entgegen und wird ihn gebührend würdigen, sobald er eingetreten ist.
