Übersetzung: englisches Original von Mike Saunders

Auf der LibreOffice-Conference 2025 habt ihr die neuen LibreOffice-Funktionen gezeigt, die von dem Bundesheer gesponsert wurden. Wie kamen sie zustande?
Die Weiterentwicklung von LibreOffice war von Anfang an für uns eine klar erkannte Notwendigkeit. Bevor wir die Planung abgeschlossen haben, haben wir auch geprüft, wie wir das Produkt weiterentwickeln können. Letztlich haben wir eine europaweite und offene Ausschreibung gemacht, um den Support aber auch die Weiterentwicklungskapazität für LibreOffice zu beschaffen. Die Art und Weise, wie wir die Produkterweiterungen ausgewählt haben, ergaben sich teilweise aus dieser Vorstudie, weil wir bestimmte Importsfähigkeiten und Kompatibilitätsnotwendigkeiten erkannt hatten.
Das ist der eine große Teil: die Interoperabilität im Bezug auf unseren Bedarf zu verbessern. Das andere Thema war: Aus dem laufenden Feedback der Anwender, und dem Feedback bezüglich der Zusammenarbeit mit externen Stellen, LibreOffice zu verbessern. Beispiele dafür waren die „Notes“-Leiste in Impress. In der Vergangenheit musste man die Notizen in einer eigenen Notizansicht bearbeiten.
Wir haben sehr früh schon den Wunsch mitgeteilt bekommen, dass man das doch gemeinsam in der Bearbeitungsansicht der Folie machen könnte. Das ist eine sehr bekannte Erweiterung, die wir gesponsert haben, die – denke ich – sehr gut funktioniert. Darüber hinaus gibt es noch viele Details wie Durchscrollen durch Präsentationen mit dem Mausrad. Früher musste man zum Durchscrollen immer wieder auf der Ansicht mit den Folien wechseln. Jetzt ist das alles einfach so möglich, und das erleichtert einfach die Nutzung, und es erhöht auch die Akzeptanz, weil die Anwender das erwarten.
Ich könnte noch viele Erweiterungen aufzählen. Wir sind nicht die Einzigen, die hier sehr viel zu LibreOffice beitragen – wir sehen uns als Teil der Community und wir freuen uns, wenn die Community die Beiträge nutzt, und auch andere ihre Teile einbringen, die wir natürlich auch sehr gerne nutzen. Das macht das Projekt so attraktiv und erfolgreich.

Habt ihr auch externe Erweiterungen (also Extensions) entwickelt?
Wir haben für interne Zwecke Extensions entwickelt, aber es gibt auch mehrere öffentlich verfügbare Extensions. Das eine ist das Einbinden einer eigenen Hilfeseite, weil wir in den internen Systemen ganz gezielt Hilfe anbieten.
Beim weiten, viel größeren Umfang ist eine Extension, die auf GitHub gehostet wird, zu Themen militärisch-taktische Symbole. Sie steht alsOpen Source Software zur Verfügung, also können sie alle verwenden. Das ist tatsächlich eine Extension, die zwar jetzt noch in „Release Candidate“-Status ist, aber bereits gut funktioniert. Die Extension ist natürlich auch für die Zusammenarbeit mit anderen Armeen geeignet. Die Funktionalität ist einzigartig. Meines Wissens gibt es sie sonst nirgends.
Nutzt ihr auch das Open Document Format intern?
Ja – einer der Vorteile von LibreOffice ist, dass das Format ISO-standardisiert und tatsächlich offen ist. Die beste Funktionalität bekommt man bei LibreOffice, wenn man ODF verwendet. Wir verwenden ODF durchgehend. Es ist klar, dass unsere externen Partner, das nicht in dem Umfang machen. Hier kommt es LibreOffice zugute, dass es auch Office Open XML-Dokumente bereitstellen (lesen und bearbeiten) kann.
LibreOffice hat keinen eingebauten Email-Client. Was habt ihr bei diesem Thema bei der Migration gemacht?
Das Bundesheer, schützt Österreichs Bevölkerung, damit das möglich ist, benötigen wir beispielsweise Systeme, die unabhängig von Externen funktionieren. Wir haben sehr viele Systeme, die auf Open-Source-Lösungen basieren, und sehr viele Lösungen, die plattformunabhängig sind. Dazu gehört auch das Mail-System.
Daher mussten wir kein Outlook, und auch kein Microsoft Exchange, ablösen.
Auf der LibreOffice-Conference habt ihr betont, bei der Migration ging es nie darum, Lizenzkosten zu sparen. Die Migration entstand aus anderen Gründen, ja?
Der Umstieg auf LibreOffice im Österreichischen Bundesheer entspricht der Notwendigkeit, dass wir funktionieren müssen, wenn nichts mehr funktioniert. Das heißt, wir können uns nicht auf öffentliche Infrastruktur verlassen. Wir können uns nicht darauf verlassen, dass unsere Daten in einem anderen Rechnenzentrum verarbeitet werden.
Daher war das oberste Gebot bei dieser Umstellung – anders als vor 20 Jahren, als man sehr oft aus Kostengründen darüber nachgedacht hat, ob man nicht auf ein freies Office oder auf Linux am Arbeitsplatz umsteigt, digitale Souveränität.
Was die Kosten angeht: Es war für uns vom Anfang an klar, dass wir in das Produkt investieren müssen, damit wir zusätzliche, benötigte Funktionalitäten bekommen, , und die Interoperabilität verbessern können.
Willst du etwas über die Stiftung, also The Document Foundation, sagen?
Warum haben wir überhaupt LibreOffice genommen – es gibt ja alternative Produkte? LibreOffice ist nicht die einzige Lösung.. Erstens, LibreOffice verwendet ODF, das offene und standardisierte Dateiformat. Das ist ganz wichtig. Zweitens LibreOffice ist wirklich vollständig Open Source Software – es ist kein Produkt, das nur einen Open Source „Core“ hat. Die Gefahr, dass man für veränderliche Enterprise-Features zahlen bezahlen muss, besteht nicht.
Und dass das so ist, ist ganz massiv mit dem Fundament von LibreOffice, nämlich The Document Foundation, der Stiftung, verbunden. Die Art und Weise, wie dieses Open Source Projekt dadurch umgesetzt wird und verankert ist – das ist für uns eine wichtige Garantie und ein wichtiger Verlässlichkeitsfaktor.
Ein weiterer Punkt ist, dass es ein Ecosystem gibt. Es gibt mehrere Unternehmen, die die Dienstleistung, die wir benötigen, anbieten. Open Source zu verwenden, bedeutet nicht nur gratis Software zu nutzen – für uns bedeutet es: wir benötigen Wartung, Support, Weiterentwicklungsfähigkeiten, Sicherheitslücken zu adressieren, sichere Bereitstellung von Programmen. All das, mit einer sehr ausgereiften Software, die ständig weiterentwickelt wird. Das war ein ganz wesentlicher Auslöser.
Was würdest du anderen raten, die auch eine Umstellung auf LibreOffice und Open Source anpeilen?
Das Erste ist: Es gibt die Möglichkeit, in der Community, ein riesiges Informationsangebot zu nutzen. Es gilt, sich mit dem Produkt auseinanderzusetzen. Wie funktioniert LibreOffice, wie funktioniert Bugzilla, wo finde ich Themen, die vielleicht nicht funktionieren, die für mich interessant sind. Wo finde ich die Roadmaps zu neuen Features, Release Notes und so weiter.
Zweitens: Es ist ganz entscheidend, die Ressourcen für so ein Projekt, richtig vorzubereiten und zu finanzieren. IT-Verantwortliche haben sich daran gewöhnt neue Office-Versionen, ohne besonders viel Aufwand auszuliefern.
Die Ablösung von einer Office-Suite ist tatsächlich aber ein riesiges Migrations-Projekt. Das darf man nicht unterschätzen. Es ist nicht mit der Installation der Software getan, sondern es braucht Change Management, es braucht Personen, die supporten, die testen, die an neuen Funktionen arbeiten. Es braucht die Unterstützung von Dienstleistern. Das muss alles vorbereitet werden. Und das unterscheidet sich von den bisherigen neuen Auslieferungen von einem Office. Man benötigt ein Projektteam dazu – die Migration ist nichts, das man so nebenbei macht. Benötigt werden also eine ordentliche Projektorganisation und agiles Change Management, Wie kann ich meinen Anwendern, abhängig von ihrem Bedarf, das erforderliche Wissen vermitteln. Welche Informationskanäle habe ich, um meine Anwender laufend zu informieren bzw. mit Ihnen in Kontakt zu treten.
Wir – das Bundesheer – haben schon viele Anfragen zur Umstellung bekommen und wir haben unsere Erfahrungen bereits mit vielen Organisationen geteilt. Wir freuen uns, wenn wir dazu beitragen können, eine LibreOffice Community, der Government- und Enterprise-Organisationen entwickeln zu können, um die gemeinsame Weiterentwicklung von LibreOffice beschleunigen zu können.
Und dazu biete ich an, dass man unter E-Mail-Addresse libreoffice@bmlv.gv.at gerne mit uns Kontakt aufnehmen kann.
