
Die The Document Foundation (TDF), die gemeinnützige Organisation hinter LibreOffice, begrüßt die Aufnahme des Open Document Format (ODF) als verbindliches Standardformat in den Deutschland-Stack, das digitale Infrastruktur-Framework der Bundesregierung für alle öffentlichen Verwaltungen.
Der vom Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung veröffentlichte Stack legt die technischen Standards für eine gemeinsame, interoperable und unabhängige digitale Infrastruktur für alle öffentlichen Verwaltungen in Deutschland fest. Im Rahmen der Säule „Semantische Technologien und Echtzeitanalysen“ des Frameworks werden ODF und PDF/UA explizit als die beiden verbindlichen Dokumentenformate genannt; proprietäre Alternativen sind ausgeschlossen.
Der Deutschland-Stack basiert auf Prinzipien, die mit den langjährigen Positionen des TDF übereinstimmen. Das Rahmenwerk verfolgt den Grundsatz „Made in EU first“, fordert offene Schnittstellen und lokale Datenspeicherung, schreibt Open-Source-Entwicklung vor, wo andernfalls proprietäre Eigentumsrechte gelten würden, und zielt explizit darauf ab, die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern zu reduzieren. Der Stack stützt sich auf Beschlüsse der Digitalministerkonferenz, des Bundeskabinetts und der Ministerpräsidentenkonferenz und strebt die konkrete Bereitstellung von Infrastrukturkomponenten für alle Regierungsebenen bis 2028 an.
Die Einbindung des ODF in dieses Rahmenwerk ist kein Zufall. Sie spiegelt eine konsequente Ausrichtung der europäischen Digitalpolitik wider, vom Europäischen Interoperabilitätsrahmen (EIF) bis zum Cyber Resilience Act (CRA), die offene Standards als Voraussetzung für Interoperabilität, Souveränität und langfristigen öffentlichen Nutzen anerkennt.
„Der Stack fordert außerdem die Reduzierung von Abhängigkeiten von proprietären Anbietern und eine europäische Cloud-Infrastruktur auf Basis offener Standards“, ergänzte Florian Effenberger. „Das ODF-Mandat ist der konkrete Ausdruck dieses Prinzips auf Dokumentenebene, denn digitale Souveränität lässt sich nicht beanspruchen, wenn Dokumente in proprietären Formaten eines einzelnen Anbieters vorliegen.“
Seit 20 Jahren basiert das Argument proprietärer Softwareanbieter gegen die Einführung von ODF in der öffentlichen Verwaltung auf einer falschen Annahme. Tatsächlich würde der Übergang von proprietären Formaten die Risiken von Datenverlust, Workflow-Unterbrechungen und Inkompatibilität verringern. Das Mandat des Deutschland-Stacks bestätigt dies und erkennt durch die Benennung von ODF als Standard implizit an, dass das langfristige Risiko für die digitale Souveränität von der Abhängigkeit von proprietären Anbietern und nicht von offenen Standards ausgeht.
Diese Position deckt sich mit der Stellungnahme des TDF an die EU-Kommission, in der der TDF argumentierte, dass die Einführung des ODF kein Risiko für Inhaltsverluste mit sich bringe und dass die Beweislast bei denjenigen liege, die sich für OOXML Transitional einsetzen – ein Format, das in seiner eigenen Spezifikation als vorläufig definiert ist.
Deutschland-Stack-Text: https://deutschland-stack.gov.de/gesamtbild/ (auf Deutsch)
