Euro-Office: Nur dem Namen nach souverän oder auch in der Realität?

Die Ankündigung des Euro-Office ist eine erfreuliche Nachricht. Die Koalition ist glaubwürdig, die Governance solide und der Zeitpunkt perfekt. Europa braucht Bürosoftware, und die he Document Foundation freut sich sehr, dass so bedeutende Akteure Ressourcen bereitstellen, um dies zu ermöglichen.

Wir haben jedoch eine Frage. Sie ist nicht feindselig gemeint, aber sie ist die einzige Frage, die zählt.

Welches ist das native Dokumentenformat von Euro-Office?

Die Pressemitteilung verspricht volle Kompatibilität mit Microsoft-Formaten. Uns ist die Logik hinter der Migration durchaus bewusst: Organisationen, die von Microsoft weggehen, müssen sicher sein, dass ihre Dokumente den Übergang überstehen. Doch „volle Kompatibilität mit Microsoft-Formaten“ ist sicherlich keine Definition von Souveränität, sondern vielmehr die Definition einer anderen Art von Abhängigkeit.

OOXML ist ein Format, das ausschließlich von Microsoft entwickelt, kontrolliert und verwaltet wird. Die Entwicklung einer europäischen Office-Suite mit Fokus auf OOXML-Kompatibilität bedeutet, dass die europäische Dokumenteninfrastruktur weiterhin den in Redmond getroffenen Architekturentscheidungen untergeordnet bleibt. Das Hosting verlagert sich zwar nach Europa, die Abhängigkeit von Redmond bleibt jedoch bestehen.

Die Alternative existiert, ist ausgereift und in mehreren europäischen Ländern gesetzlich verankert. ODF (Open Document Format) ist ein ISO-Standard, der in einem offenen und transparenten Prozess entwickelt wurde und nicht von einem Unternehmen kontrolliert oder verwaltet wird. Der deutsche Deutschland-Stack hat ihn verpflichtend gemacht, und die EU-Kommission hat ihn gebilligt. Es handelt sich nicht um das LibreOffice-Format, sondern um ein europäisches Gemeingut.

In der Pressemitteilung des Euro-Office wird ODF kein einziges Mal erwähnt.

Wir fordern Euro-Office nicht auf, die Unterstützung für Microsofts proprietäres Format aufzugeben. LibreOffice selbst kann OOXML lesen und schreiben: Kompatibilität ist für die Nutzer eine Notwendigkeit, keine ideologische Konzession. Wir fragen uns, ob ODF das native Format wird, in dem Dokumente zwischen europäischen öffentlichen Verwaltungen erstellt, archiviert und ausgetauscht werden.

Diese Unterscheidung ist grundlegend, und es ist jetzt an der Zeit, das native Dokumentformat festzulegen, bevor die Architektur finalisiert und die Implementierungen erfolgen. Bei Bedarf unterstützen wir Sie gerne bei der Einführung des ODF-Standards als natives Dokumentformat.

Die Koalition besitzt die Glaubwürdigkeit und die Ressourcen, um etwas wirklich Innovatives zu schaffen. Wir hoffen, dass sie diese für ein Projekt der Souveränität nutzt und nicht nur für ein Instrument zur Servermigration, das zwar unter europäischer Flagge firmiert, aber fest in Redmond verankert ist.

Die The Document Foundation ist eine gemeinnützige Stiftung und die Heimat von LibreOffice, der weltweit führenden Open-Source-Office-Suite. LibreOffice implementiert ODF als natives Format und unterstützt eine Vielzahl von Dokumentformaten, einschließlich des Imports und Exports von OOXML.

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